Wenn Nachbarn lärmen

Welche Vorschriften gibt es?

Zuerst sollte man abklären, ob der Nachbar gegen allfällige Verbote verstößt. Hausordnungen und ortspolizeiliche Vorschriften regeln bestehende Ruhezeiten. Die Vorschriften sind dabei oft sehr unterschiedlich: So dürfen in der Stadt Salzburg zum Beispiel an allen Wochentagen nur zwischen 8-12 Uhr und von 14-18 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen zwischen 10-12 Uhr Rasenmäher oder Laubbläser verwendet werden. Andere Regelungen können in einer Hausordnung festgehalten sein, die entweder am schwarzen Brett angeschlagen oder mit den Mietverträgen übergeben wird.

Was gilt als störender Lärm?

Der beanstandete Lärm muss wegen seiner Dauer, Lautstärke oder Schallfrequenz für das menschliche Empfinden unangenehm sein und darf nicht ortsüblich sein. Was heißt das? So sind beispielsweise laut Obersten Gerichtshof 1,5 Stunden Klavierspiel im großstädtischen Bereich durchaus üblich. Ein Pianist darf 2 Stunden auf Zimmerlautstärke üben; auch 4 Stunden sind zumutbar.

Grundsätzlich gilt: Das Wohlbefinden normal empfindender Menschen darf nicht gestört werden.

Zu beachten ist auch der Grundgeräuschpegel des Außenlärms (Straße). Bei geschlossenem Fenster ist in der Stadt ein Grundgeräuschpegel von 20-30 dB üblich. Definitiv ortsunüblich ist es, wenn ein Grundgeräuschpegel von 22 dB um 16 dB überschritten wird. Ab einem Lärmpegel von 50 dB kann man von gesundheitlichen Beeinträchtigungen ausgehen.

Was kann man gegen den Lärm unternehmen?

  • Persönlich ansprechen: Zuerst sollte immer das Gespräch mit dem lärmenden Nachbarn gesucht werden.
  • Beweise sammeln: Am besten führt man genaue Aufzeichnungen mit Zeitangaben über die Lärmbelästigung. Auch an den Nachbarn geschickte Briefe mit der Bitte um Unterlassung können später allenfalls als Beweismittel dienen. Kostenpflichtige Lärmpegelmessungen führen Ziviltechniker durch. Entstehen aufgrund der Lärmbelästigung gesundheitliche Beschwerden, sollte man diese und die damit verbundene Behandlung durch ein ärztliches Attest bestätigen lassen.
  • Unterstützung suchen: Wenn Gespräche mit dem Lärmverursacher nichts bringen, könnten allenfalls eine bestehende Hausvertrauensperson oder ein neutraler Mediator beigezogen werden. Dabei ist jedoch zu klären, wer die Kosten für den Mediator trägt. Als Mieter kann man sich an die Hausverwaltung oder den Vermieter wenden. Dieser ist verpflichtet, für die Unterbindung des ungebührlichen Lärms zu sorgen. Andernfalls ist eine Minderung des Mietpreises möglich! Empfehlenswert ist eine Unterschriftenliste anderer betroffener Bewohner, die bei Bedarf der Hausverwaltung übermittelt werden kann. Diese Bewohner kämen auch als Zeugen in Frage.

Schwieriger wird es in einer Wohnungseigentümergemeinschaft. Als betroffener, durch Lärm gestörter Wohnungseigentümer empfiehlt es sich, sich zuerst an den störenden Mieter zu wenden und dann an den vermietenden Wohnungseigentümer selbst. Die Einberufung einer Wohnungseigentümerversammlung wäre ebenfalls möglich.

  • Bei der Polizei anzeigen: Nach § 28 des Salzburger Landessicherheitsgesetzes kann derjenige, der ungebührlich störenden Lärm erregt, mit einer Geldstrafe von bis zu 500 € belegt werden. Hier sollten der Polizei entsprechende Beweise vorgezeigt werden (z.B. Briefe an den Nachbarn, Aufzeichnungen über den Lärm, Zeugen).
  • Rechtschutzversicherung prüfen: Ratsam ist jedenfalls der Abschluss einer Rechtsschutzversicherung mit Deckung für Mietstreitigkeiten (evtl. ist sogar eine Mediation gedeckt). Vorsicht: Oft sind bei Rechtschutzversicherungen Rechtsstreitigkeiten zwischen Wohnungseigentümern ausgeschlossen.
  • Rechtsanwalt einschalten: Ein Brief des Rechtsanwaltes auf Unterlassung der Lärmerregung bei sonstiger Klagsandrohung kann möglicherweise die gewünschte Wirkung erzielen.
  • Bei Gericht klagen: Bevor eine Klage auf Unterlassung bei Gericht eingereicht wird, kann man bei Gericht einen prätorischen Vergleichsversuch beantragen, wofür bislang keine Gebühr anfiel. Dazu sollte man am Amtstag zum Bezirksgericht gehen und beim Richter um eine unentgeltliche Rechtsauskunft sowie um Vorladung des Lärmerregers ersuchen. Der belangte Lärmerreger muss aber nicht zu dem von Richter angesetzten Termin erscheinen. Eine Klage sollte der letzte Ausweg und wohlüberlegt sein: Erfahrungsgemäß ist mit dem Einleiten eines Gerichtverfahrens der Beginn einer nachbarschaftlichen Feindschaft verbunden.

Diese Information soll nur zur Erstinformation dienen, erhebt aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ersetzt keine Beratung durch einen Rechtsanwalt.

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